Buchrezension „Ich Igelkind“ von Katja Rohde

Zuerst mal die nüchternen Fakten:
Katja Rohde; Ich Igelkind; Nymphenburger Verlag; München; 1999; 5. Auflage 2008

Rückentext:

Katja Rohde ist Autistin. Bis vor wenigen Jahren galt sie als geistig behindert. Diese katastrophal falsche Weichenstellung teilt sie mit vielen Autisten. Katja Rohde berichtet von dieser „Igelexistenz voller Finsternis“ in ihrer ganz eigenen poetischen Sprache. Sie eröffnet uns mit Bildern von bizarrer Schönheit einen neuen Blickwinkel auf unsere Selbstverständlichkeiten.

Wie ist das Buch aufgebaut?
Das Buch ist in 3 Teile mit jeweils mehreren Kapiteln unterteilt.
Im ersten Teil erklärt Ulla Rohde, die Mutter der Autorin, in 4 Kapiteln was Autismus ist, wie sich der Autismus auf das Familienleben ausgewirkt hat bzw. noch immer tut, wie es zu dem Irrtum kam und über das neue Kennenlernen nach dem Aufdecken des Irrtums.
Im zweiten Teil beschreibt dann Katja in 12, zum Teil recht kurzen, Kapiteln wie sie die Jahre empfunden hat in denen sie als geistig behindert galt, aber auch wie es war nachdem ihre Intelligenz und ihre Fähigkeiten entdeckt wurden. Hierzu nutzt die die im Rückentext schon erwähnte „poetische Sprache“ im besonderen Maße.
Im dritten Teil werden Auszüge von Briefen und Gesprächen die mit Katja, unter Zuhilfenahme der gestützten Kommunikation, geführt wurden veröffentlicht.
Die mir vorliegende 5. Auflage von 2008 hat noch ein Nachwort in dem Ulla Rohde in groben Zügen beschreibt was seit dem Erscheinen der 1. Auflage geschehen ist und was noch geplant ist.

So, nun aber zu meinen Eindrücken.
Der erste Teil beschreibt ziemlich eindrucksvoll dass das Zusammenleben mit einem Autistin wie der Autorin sehr schwer und kräfteraubend ist aber auch sehr erfüllend sein kann wenn man sich auf die Krankheit (ich weigere mich von Behinderung zu reden) einlässt. Das vierte Kapitel macht dies besonders deutlich, und zwar auf Seite 45 wo Ulla Rohde sagt das sich ihre Berufseinstellung (sie war Lehrerin) durch die Krankheit verändert hat. Auch klingen die Ausführungen zur gestützeten Kommunikation, kurz FC (=Facilitated Communication), sehr interessant, aber auch schwierig.
Den zweiten Teil empfand ich etwas schwerer zu lesen, vor allem wegen der sehr bildhaften Sprache. Dies tut den Eindrücken wie schwer es für Katja war ihre Wünsche nach einem normalen Leben und vor allem nach Bildung durchzusetzen. Aber auch wie die Rückschläge an ihrem Selbstbewusstsein gekratzt haben und wie sie die Kraft gefunden hat sich wieder aufzuraffen und weiterzukämpfen.
Der dritte Teil war für mich mit der einfachste Teil zu lesen, weil die Gesprächsauszüge nachvollziehbar waren und die Briefe sowieso an Nicht-Autisten gerichtet waren und so entweder entsprechend überarbeitet oder Katja sich da um eine klarere Sprache bemüht hat. Das letzte Kapitel im dritten Teil hat Katja so geschrieben das sie da nochmal ihre Entwicklung und Metamorphose zusammengefasst beschreibt und damit auch allen die ihr geholfen haben Dank sagt.
Aus dem Nachwort nehme ich jetzt hier nur mit das es durchaus möglich ist für Autisten ein halbwegs normales Leben zu führen, aber auch das sie ständig Hilfen im Alltag benötigen.

Mein Fazit:
Dieses Buch beschreibt eindrucksvoll wie schwer das Leben für Autisten ist und mit welchen Hindernissen sie zu kämpfen haben. Es ist ein Buch das, meiner Meinung nach, jeder angehende Lehrer/Pädagoge, und speziell Sonderpädagogen, gelesen haben sollte.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bücher, Kritik/Besprechung abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s